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Ratgeber Myasthenia gravis

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Diagnose von Myasthenia gravis

Bei der Diagnose von Myasthenia gravis wird der Arzt den Patienten im Rahmen der Anamnese nach sichtbaren und spürbaren Symptomen der Krankheit befragen. Diese sind hängende Augenlider, Beschwerden mit der Gesichtsmuskulatur, die etwa beim Kauen, Schlucken oder Sprechen zu bemerken sind, oder rasche Ermüdungserscheinungen der Körpermuskulatur. Im Rahmen von Bewegungstests kann der Arzt seinen bisherigen Verdacht erhärten. Sollten genügend Hinweise auf eine Erkrankung an Myasthenia gravis bestehen, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen anordnen. So können etwa anhand einer Blutuntersuchung die verantwortlichen Antikörper identifiziert werden, mittels der Elektromyografie können Muskelfunktionen gemessen werden.

Diagnose von Myasthenia gravis

Vor jeder Diagnose steht die Anamnese, also der Versuch des Arztes durch Befragung und Begutachtung des Patienten möglichst viel über die Symptome und den Krankheitsverlauf der Myasthenia gravis zu erfahren. Dabei wird der Arzt zunächst nach den augenscheinlichsten Symptomen der Myasthenia gravis fragen, einer Muskelschwäche in den oberen Augenlidern. Zudem wird er den Patienten befragen, inwieweit er Doppelbilder sieht.

Auch eine Überprüfung der Augenbewegungen (Augenmotilität) und der Lidspaltenweite sind obligatorisch für eine Diagnose der Myasthenia gravis. Bei der Untersuchung der Augenmotilität kann der Mediziner überprüfen, inwieweit die Augen des Patienten sich unbewusst bewegen. Beim Simpson-Test muss der Patient mindestens eine Minute nach oben sehen. Durch diese Bewegung kann das Hängen der Augenlider im Falle einer Erkrankung an Myasthenia gravis ausgelöst oder verstärkt werden.

Von großer Relevanz für die Diagnose der Myasthenia gravis ist auch, inwieweit der Patient unter Schluck- oder Kaustörungen leidet und ob die Symptome bei bestimmten Belastungen, wie etwa körperlicher Aktivität oder Infektionskrankheiten, sowie im Tagesverlauf zunehmen. Für eine Diagnose der Myasthenia gravis ist es ebenfalls von großer Bedeutung, ob der Patient Probleme in anderen Muskelgruppen verspürt und ob er sich oft körperlich überlastet fühlt. Auch Informationen zur Medikamenteneinnahme oder bei Frauen hinsichtlich des Zyklus können Hinweise für die Diagnose der Myasthenia gravis liefern.

Verfahren bei der Diagnose von Myasthenia gravis

Sollte die Anamnese dem Arzt Hinweise auf eine Erkrankung an Myasthenia gravis geben, so wird er zunächst die Kraft und Ermüdbarkeit einzelner Muskelgruppen untersuchen. Eine Möglichkeit die Belastbarkeit etwa der Armmuskulatur zu untersuchen, ist zu prüfen, wie lange der Patient einen Arm im 90-Grad-Winkel halten kann. Dem Mediziner stehen für die Diagnose der Myasthenia gravis Tabellen zur Verfügung, in die die Zeiten eingetragen werden und anhand derer Aussagen über den Verlauf und die Schwere der Erkrankung getroffen werden können.

Im Rahmen einer Blutuntersuchung (z. B. AchR-AK-Test) können beispielsweise die Antikörper gegen die Acetylcholinrezeptoren nachgewiesen werden. Eine weitere Möglichkeit für die Diagnose der Myasthenia gravis ist der Tensilon-Test oder Simpson-Test. Dabei wird dem Patienten ein Medikament gespritzt, welches nach wenigen Sekunden aber auch nur für kurze Zeit die Symptome stark lindert. Durch Reizung der Muskulatur im Rahmen der Elektromyografie oder Einzelfaserelektromyografie kann ebenfalls getestet werden wie schnell die Muskeln bei einer Belastung ermüden, was weitere Daten für die Diagnose der Myasthenia gravis liefert. Bei Atembeschwerden wird zudem ein Lungenfunktionstest durchgeführt, um Aussagen über eventuelle Schädigungen der Lunge oder eine andere Ursache treffen zu können.

Guido Maiwald

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Die Entstehung von Myasthenia gravis verbleibt trotz intensiver Forschung bislang weitestgehend ungeklärt. Mediziner konnten zwar feststellen, dass diese Autoimmunerkrankung oft infolge von Infektionskrankheiten wie Grippe oder nach bakteriellen Infektionen, Impfungen oder chirurgischen Eingriffen entsteht. Warum jedoch genau fehlgesteuerte Antikörper entstehen, die die körpereigenen Zellen angreifen, bleibt unklar. Die Entstehung von Myasthenia gravis beginnt zumeist mit einer Erschlaffung des Augenlides, Sehstörungen und Zuckungen der Augen. Bei rund der Hälfte der Betroffenen verbleibt die Krankheit auf dieser Stufe. Bei einem Teil der Patienten treten jedoch schwerwiegendere Symptome auf. Dabei können alle Muskeln, z. B. auch Arme, Beine und Rumpf betroffen sein.

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, die sich auf die Muskulatur auswirkt und eine Muskelschwäche zur Folge hat. Bei einer Erkrankung an Myasthenie ist die Impulsübertragung zwischen Nerv und Muskel gestört, sodass der Muskel keine oder falsche Signale erhält. Mediziner vermuten, dass die Thymusdrüse als Teil des Immunsystems maßgeblich an der Entstehung einer Myasthenia gravis beteiligt ist, da fast alle Patienten eine Schwellung der Thymusdrüse aufweisen. Myasthenia gravis kann in jedem Alter auftreten, besonders häufig ist die Entstehung jedoch zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Warum Frauen öfter und stärker an Myasthenie erkranken, ist bislang wissenschaftlich nicht geklärt.

Bereits im 17. Jahrhundert wurden die Symptome der Myasthenia gravis erstmalig beschrieben. Erst für das 19. Jahrhundert kann jedoch von einer systematischen Erforschung der Symptome der Myasthenia gravis anhand von Fallanalysen gesprochen werden. Die Britin Mary Broadfoot Walker veröffentlichte 1934 einen medizinischen Fachartikel, in dem sie die bis heute gängigste Methode der medikamentösen Behandlung von Myasthenie beschrieb. Die Ursachen der Myasthenia gravis sind bis heute zwar nicht vollständig erforscht, doch bedeutet eine positive Diagnose heute keine verkürzte Lebenserwartung mehr. Medizinern stehen mittlerweile diverse Therapieformen zur Verfügung, um die verschiedenen Formen und Ausprägungen der Myasthenie zu behandeln.